Geschichte

…oder wie alles begann…

Nach einem Brand in Wintersweiler im Jahre 1865 wurde die Freiwillige Feuerwehr in Kirchen gegründet, 1928 folgte die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr in Efringen. Mit der Feuerwehr bildete sich eine erste Gruppe von Musikern, die sich Feuerwehrmusik Kandern nannte, von der als schriftlicher Zeuge nur ein Zeitungsausschnitt über eine beachtliche Abendunterhaltung am alten Rathaus Kirchen vom 2. März 1873 vorliegt. Weil Nachwuchskräfte fehlten, löste sich der Verein aber 1894 wieder auf.

Die Generalversammlung der Freiwilligen Feuerwehr beschloß im Januar 1919 unter ihrem Kommandanten Friedrich Wittich, den Neuanfang mit einer Feuerwehrmusik zu wagen. Der Adjutant des Feuerwehrhauptmanns, Ludwig Krebs-Maurer, griff die Idee der Wiedergründung einer Feuerwehrmusik auf und fand in Ludwig Bürgin-Steinkeller gleich einen tatkräftigen und redegewandten Mann, der sich der Musik annahm. Außerdem gingen Mädchen im Dorf von Haus zu Haus und sammelten Geld für die Anschaffung von Instrumenten.

Am Ostermontag 1919 erwarteten dann etliche junge Musiker am „Rebstock“ und am Kastanienbrunnen die Kutsche des Hermann Zimmermann, der mit Alexander Bloch, Ludwig Krebs und Ludwig Bürgin nach Brombach gefahren war, wo sie Instrumente eines aufgelösten Musikvereins erstanden hatten. Auch von der alten Feuerwehrmusik waren noch eine Es-Trompete, ein Flügelhorn, zwei B-Klarinetten vorhanden, so dass bald die ersten noch zaghaften Töne einer neuen Feuerwehrmusik im Dorfe zu hören waren. Die Feuerwehr und viele Kirchener Bürger halfen finanziell und unter den jungen Männern des Dorfes wurde fleißig geworben. Die ersten musikalisch Vorgebildeten waren Mitglieder des Posaunenchores, der sich dann 1924 auflöste und vollends in der neuen Musikergemeinschaft aufging.

Choräle waren dann auch die ersten Musikstücke, die in der Kirche und auf dem Friedhof, notfalls auch Noten gespielt wurden. Amtlich gründete man die Feuerwehrmusik innerhalb im September 1919. Der erste Dirigent, unter dem geordneter Probenbetrieb begann, war Karl Däublin aus Haltingen, der Kommandant Ludwig Krebs-Maurer wurde Passivbeisitzer und übte dieses Amt viele Jahre lang aus. Nachdem die Instrumente durch Wilhelm Wötzel aus Istein geprüft, die ersten Musikstunden im Ochsen-Saal gelungen und die ersten Noten gelehrt und gelernt waren, erklang der erste leidlich gespielte Marsch „Die brave Infanterie“ in der damaligen Rheinstraße.

Mit 18 aktiven Mitgliedern trat der Verein im Juli 1922 anläßlich eines Gartenfestes des Gesangvereins „Rhenus“ zum ersten Mal an die größere Öffentlichkeit, nachdem er sich schon bei einer Abendunterhaltung des Radfahrvereins am 22.12.1922 beteiligt, im Mai in Kandern und im Juli in Binzen gespielt hatte, jeweils zusammen mit der Eisenbahnmusik Basel, und mit dem Musikverein Rhynach bei einem Gartenfest aufgetreten war.

Ein Teil der Instrumente gehörte der Feuerwehr, ein Teil der Musik selbst. Die Dirigenten der Anfangszeit waren ausnahmslos ehemalige Militärmusiker, die ihre Ausbildung in Sachsen und Thüringen erhalten hatten. 1923 dachte man schon an den Bau einer Festhalle, Anteilscheine waren ausgegeben, Mitglieder des Gesangvereins und der Feuerwehrmusik hoben einträchtig die Fundamente aus, da … kam die Inflation! Übrig blieb allein der Tanzboden. 1923 betrugen die Einnahmen 37.848.490 Mark – Ausgaben 36.669.958 DM, ein Schoppen Wein kostete 1 Million Mark, ein Tenorhorn am 7. Juli 1923 nur 2.955.000 Mark. Am 29. September 1923 wurde für Dirigenten 4.400.000 Mark und am 3. Oktober 1923 bereits 8.400.000 Mark ausgegeben. Die Anteilscheine für den Festhallenbau mußten wieder ausbezahlt werden und sämtliche Einnahmen der Veranstaltungen bis 1924 waren wertlos.

Dennoch hatte man in der Feuerwehrmusik den Gedanken an die Festhalle „Vereinssaal“ beharrlich weiterverfolgt, bis zum Baubescheid im Juli 1924. Wesentlich dazu beigetragen hat die finanzielle Unterstützung des Zigarettenfabrikanten Max Bloch aus Emmendingen, der Sohn einer jüdischen Familie aus Kirchen und lange Jahre ein großer Wohltäter und Förderer hiesiger Vereine, denn er hatte das Holz zu dieser Festhalle gespendet.

Ein großes Ereignis forderte vom 11. bis 13. Juli 1925 sämtliche Kräfte der Musiker, als „60 Jahre Freiwillige Feuerwehr“ und „50 Jahre Landwehr (Militär)-verein? gefeiert wurden. Am 25.02.1930 erfolgte durch das Badische Amtsgericht der Eintrag in das Vereinsregister in Lörrach. .Vom 30. März datiert die Aufnahme-Urkunde in den Alemannischen Musikverband, die in Degerfelden überreicht wurde. Die Generalversammlung 1932 betont nachdrücklich die neutrale Haltung der Feuerwehrmusik allen Gemeinden, Veranstaltungen und Veranstaltern gegenüber, zumal freundschaftliche Beziehungen zum Fußballclub Kirchen und zum Gesangverein „Rhenus“ dies bestätigten.

Die alljährlich stattfindenden Jahresfeiern zogen so viele Gäste an, daß man gezwungen war, Musikstücke und die weitgerühmten Theaterspiele einmal für Frei- und Passivmitglieder und ein anderes Mal für Freunde und Gäste vorzuführen. Diese Jahresfeiern mit Theater, Vereinsausflügen, die eine planmäßige Reisekasse finanzieren half, und die „Haldenfeste“, bildeten die Höhepunkte im Vereinsjahr im Leben mancher Musiker und manchen Bürgers des Reblandes. Mit der Weihe der Standarte „Albert Leo Schlageter“, der Ehrung für Generalfeldmarschall Hindenburg und Eröffnung der „Arbeitsschlacht“ begann im Jahre 1933 auch für die Feuerwehrmusik eine dunkle Zeit, die nicht nur in der auffälligen Ablösung des Schriftführers Eugen Moses, der über zehn Jahre lang seinem Verein treu gedient hatte, ihren Ausdruck fand.

Im Jahre 1938 bekam der Verein den Namen „Gemeindekapelle Kirchen“. Später wurde der Verein dann nach dem Zusammenschluss der Gemeinden Efringen und Kirchen im Jahre 1942 in „Musikverein Efringen-Kirchen e.V.“ umbenannt. Ende August 1939 machte der Kriegsausbruch die 20-Jahrfeier zunichte. Im Protokollbuch steht vermerkt:“Vom August 1939 bis Juni 1946 ruhte der Verein wegen des Krieges. Am 08.06.1946 – Wiederaufnahme des Vereins, auf Befehl der Besatzungsbehörden.“ Unter dem Dirigent Alfred Faller aus Haltingen wurde am 29.01.1949 die Jahresfeier des Musikvereins Efringen-Kirchen in der Turnhalle abgehalten. Über Pfingsten am 05. und 06. Juni 1949 fand das Musikfest anläßlich des 30-jährigen Bestehens mit den Gastvereinen Istein, Weil, Egringen, Wollbach, Binzen, Haltingen und Lörrach statt.

Kurz vor der ersten Uniformweihe nach dem Krieg im Jahre 1958 starb der langjährige Dirigent des Vereins, Alfred Faller, 1962 das Aktivmitglied Manfred Weber. Beide Todesfälle bedeuteten für den Verein einen großen Verlust.

Jahrelang hatte sich der Musikverein um ein eigenes Probelokal bemüht, nachdem die provisorische Bleibe, die Baracke hinter dem Kirchener Schulhaus vom Abriß bedroht war. Schon am 10. Oktober 1956 hatte man sich zusammem mit den anderen Vereinen um die Überlassung der ?Wäschehalle? als Probelokal bemüht. Achtzehn Jahre später, am 17.06.1964 wurde schließlich die „Wäschi“ eingeweiht und die Musiker zogen in ihr neues Domizil ein. Bereits drei Tage später wurde das erste Gartenfest abgehalten, das ebenso wie die Fasnachtsveranstaltungen zur alljährlichen Tradition wurde. Eine Generation später, im Jubiläumsjahr 1994 kann der Verein auf 30 Jahre „Wäschi-Geschichte“ zurückblicken, die der Verein, die alle heutigen und ehemaligen Musikkameraden nicht missen möchten.

Von 1965 bis 1968 fanden Silvesterbälle und Jahresfeiern noch in der Festhalle Istein statt, bis am 30.12.1967, die erste Jahresfeier in der Aula der Hauptschule folgte. Am 24.01.1976 spielte man erstmals in der neuen Mehrzweckhalle (Hermann-Burte-Halle). Die zweite Uniformweihe nach dem Krieg wurde während des Wäschifestes vom 10.- 12.06.1967 vollzogen, nachdem drei Wochen vorher der Gesangverein „Rhenus“ sein „125-jähriges“ unter tatkräftiger Mitwirkung des Musikvereins erlebt hatte.

Das Fest zum 50-jährigen Jubiläum des Musikvereins war gleichzeitig Bezirksmusikfest. Es wurde vom 30.05. bis 02.06.1969 gefeiert. Zu den Gratulanten zählten neben den örtlichen Vereinen auch Gäste aus den umliegenden Dörfern sowie aus dem Elsaß und der Schweiz.

Das „Internationale Musikfest“, das vom 31.05. bis 02.Juni 1975 stattfand, war ein großer Erfolg. Auch hier nahmen Musiker aus dem Elsaß und der Schweiz teil. Bei der Jahresfeier am 31.01.1981 wurde Altbürgermeister Mutschler zum Passiv-Ehrenmitglied ernannt, nachdem seine Verabschiedung am 01.05.1974, wie auch die Neuwahl des Bürgermeisters Horst Dierkes am 15.12.1974 musikalisch umrahmt wurden.

Bei den Veranstaltungen zum 125-jährigen Bestehen des „Sängerbund 1844 e.V Efringen-Kirchen“ im Jahre 1969 war dann der Musikverein ebenso gefordert wie bei der Verabschiedung des Rektors Ahles, oder beim fünfundachtzigsten Geburtstag des Altbürgermeisters Karl Bauer im selben Jahr. Ein Jahr später spielte der Musikverein bei der Übergabe des neuen Feuerwehrautos.

Im Jahr 1973 wirkte der Musikverein bei der Veranstaltung „10 Jahre Jugendorchester Markgräflerland“ in der Festhalle Istein mit. Am 20.04.1974 wurde zusammen mit dem Jugendorchester Markgräflerland dem hochverehrten Kapellmeister Willi Fahrenfeld zum 75. Geburtstag ein großartiges Ständchen geboten. Die musikalische Leitung hatte Emil Asal, der sich jahrelang bei der Ausbildung des Musiknachwuchses aufopfernde Arbeit geleistet hatte. Diese Aufgabe hatte sein Leben geprägt und war ihm so wichtig, daß er nie die Zeit fand, den Führerschein zu machen. Für seinen unermüdlichen Einsatz wurde ihm später das Bundesverdienstkreuz verliehen

Im Jahr 1975 war der erste Ausbau der „Wäschi“ beendet. Die Musikeruniform wurde um neue Hemden mit Krawatten. bzw. Blusen mit Schal für die Damen, erweitert.

Bei der Jahresfeier am 29.01.1983 wurde Emil Asal für 25-jährige Dirigententätigkeit geehrt. Der 60. Geburtstag von Emil Asal wurde am 09.08.1984 gebührend. Am 26.04.1985 war dann Dirigentenwechsel von Emil Asal zu Adolf Kalkovski und Thomas Wengert, der bald danach die Stadtmusik Kandern als Dirigent, später dann das Blasorchester in Grenzach übernahm. Heute leitet er den Musikverein Obereggenen.

Mit dem jungen Dirigenten Adolf Kalkovski kam auch ein neues Repertoire. Zur Freude der jungen und zum Leidwesen mancher altgedienter Musiker wurden nun auch zeitgenössische Literatur, wie Musical-Melodien, Schlager u.a., ja sogar Big-Band-Sound im Stil von Glenn Miller und Duke Ellington gespielt. Der große Anteil jugendlicher Mitglieder, den der Musikverein heute zu verzeichnen hat bestätigt die Richtigkeit dieses Konzepts. Obwohl der Musikverein mittlerweile über 80 Jahre alt ist, ist er innerlich jung geblieben und man braucht sich um sein Fortbestehen und seine Zukunft keine Sorgen zu machen.

Die Jahresfeier am 27.01.2003 wurde nach 18-jähriger Dirigententätigkeit zum Abschiedskonzert des Dirigenten Adolf Kalkovski, der dem Verein jedoch als Aktivmitglied erhalten bleibt. Als Dank für seine hervorragende Arbeit und sein Engagement für den Verein wurde er zum Ehrendirigenten ernannt.

Als neuer Dirigent konnte nach intensivem Suchen der junge Gordon Hein gewonnen werden, der am 15.03.2003 in die Fußstapfen von Adolf Kalkovski trat. Mit dem Brunnenfest am 05.05.2003 gab er mit Bravour seinen Einstand, und hatte in seiner 10-jährigen Tätigkeit als Dirigent „seine“ Musiker stets gut im Griff.

Im März 2014 übernahm Achim Lais als Dirigent und führte das Aktivorchester. Nach vier Jahren entschied er sich aus persönlichen Gründen das Dirigat niederzulegen.

So wurde im März diesen Jahres der Taktstock an unseren jetzigen Dirigenten Udo Schmitz übergeben.